Es hilft, wenn man über musikalische Grundkenntnisse verfügt, um die Bedeutung von Takt oder Offbeat besser zu verstehen. So dachte ich, als ich mich bei Masha Dabelka, DJ und Gründerin der DJ-Schule Turntablista in Wien, für einen DJ-Kurs anmelde. Sie hat diese gegründet, um insbesondere Frauen den Umgang mit den Turntables näher zu bringen. Es sind gleich zwei Turntables, die mich in ihrem Studio in einer ehemaligen Schule erwarten und dazu ein Metronom. Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, da waren Schallplatten sündteuer und man hat sie nur am Rand anfassen dürfen. Bei Masha lege ich meine Finger auf die Plattem, um den Cuepoint zu finden und fürchte mich gleichzeitig, sie zu ruinieren.
Je mehr du begreifst, desto deutlicher wird doch, dass du nichts weißt. Diese Unsicherheit ist also ziemlich normal.
Das sagt Masha in einem Interview. Sie war siebzehn Jahre alt, als sie durch einen reinen Zufall Zugang zum Equipment in ihrer russischen Heimat bekam. Sie möchte mit ihrer DJ-Schule anderen Menschen Zeit beim Erlernen des DJings ersparen. Also Tipps und Tricks, aber auch „Kicks in den Ass“ geben. Ich gestehe, ich haben von allem etwas mitbekommen.
Über vier Einheiten arbeiten wir mit den Turntables. Worum es hier geht? Um Beatmatching. Man orientiert sich an rhythmischen Strukturen. Masha sagt, da ist nichts Neues passiert in den vergangenen 200 Jahren. Das klingt sehr überzeugend, nur mir gelingt es selten, den Metronomtakt zu treffen und den Beat zu matchen. Eine Sache des Übens, wie mir Masha versichert. Das wird sie mir in den kommenden Einheiten noch oft sagen.
Kenne deine Tracks.
Für Masha ist ein Turntable wie ein Instrument. Das zu spielen muss man lernen. Klavierspielen mit seiner unterschiedlichen Anschlagskraft ist ein guter Vergleich. Am Ende ist s rein taktiles Lernen, wie Pitches ausgeführt werden. Die fünf Jahre Klavierunterricht liegen bei mir über 30 Jahre zurück. Über 15 Jahre Geigenunterricht zählen leider nicht. Meine Finger sind ungelenk, also die allerbesten Voraussetzungen.
Gott sei Dank leben wir in einem digitalen Zeitalter. So unterschiedlich, wie das Betätigungsfeld und die musikalischen Vorlieben für Hobby-DJs wie auch Profis ist, so unterschiedlich sind MIDI-Controller und natürlich auch die DJ-Software. Nahezu jeder Hersteller hat hier ein passendes Modell im Programm. Ich starte bescheiden mit dem einfachsten Controller und beginne an meiner Idee, ein neues Yoga Stundenformat „Yoga Moves“ mit Musik als tragendes Element zu arbeiten.
Im Detail liegt der DJ-Zauber.
Es gibt große Unterschiede beim DJing. Es ist nicht egal, welcher als nächster Track kommt, wieviel Zeit man für seine Musikselektion verwendet, wie vorsichtig man mit den Übergängen ist – es sind diese kleinen Details, obwohl es eigentlich keine kleinen Details gibt, sagt Masha. Es geht ums Fokusieren, Spüren und Hineinhören, sage ich. Und ja, Wissen. DJing ist für mich nicht bloß eine Kleinigkeit. Ich habe es bewusst gewählt, weil ich es für meine Arbeit als Yoga-Lehrerin brauchen kann. Ich mag keine Bling-Bling-Musik in meinen Yoga-Kursen. Das lenkt mich ab und Ablenkung habe ich 24/7.
Für „Yoga Move“ habe ich sehr viel Zeit und Überlegungen investiert. Erst in den Stundenaufbau und dann in die Musik und ihre Dramaturgie. Über diese habe ich viel in Sachen Technik gelernt. Was mich am DJing begeistert, ist meine Rückkehr in die Musik. Mir kommt es so vor, als ob ich mein inneres Ohr für Musik gerade wieder aufwecke. Es ist jetzt eine andere Art von Musik. Im Moment passt sie genau in meine Lebenssituation.





